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Warum ich nicht am Kindle Storyteller-Award teilnehmen werde

Rückblende. Wir schreiben den 14. Juni. Mich erreicht eine Mail von KDP (Amazons Selfpublisher-Plattform), die mich darüber informiert, dass die Bewerbungsfrist für den Kindle Storyteller-Award 2019 noch bis Ende Juli läuft. Eine Teilnahme würde sich aus vielen Gründen lohnen, heißt es dort: Ein sattes Preisgeld würde ebenso winken wie auch attraktive Bonuspakete (eine Hörbuchveröffentlichung auf Audible zum Beispiel oder die Übersetzung des Gewinnerbuches in eine andere Sprache).

Ich wurde neugierig. Literaturpreise sind für Schriftsteller*Innen - besonders natürlich für frei publizierende wie mich - der Ritterschlag unserer Zunft. Und sie sind fantastische Werbewerkzeuge für die eigene, sehr harte Arbeit. "Warum also nicht mitmachen?", fragte ich mich.

Ich sah mir die Teilnahmebedingungen an. Danach wusste ich: Dieser "Literaturpreis" ist nichts für mich.

Die Anführungszeichen habe ich bewusst - wenngleich nicht aus Despektierlichkeit - gesetzt. Denn der Kindle Storyteller-Award ist aus meiner Sicht kein Literaturpreis, sondern ein reines Marketingwerkzeug für Amazon.

Die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs kann man wie folgt in ein paar Sätze fassen:

  • Das eingereichte Buch muss neu und darf noch nirgendwo veröffentlicht sein (macht Sinn).
  • Es muss sowohl als E-Book als auch als Printbuch vorliegen (von mir aus).
  • Beide Formate müssen über KDP veröffentlicht werden (hmm...).
  • Die Auswahl der Finalisten erfolgt auf Grundlage der Beliebtheit bei den Kunden sowie der Verkaufszahlen (jetzt wird's interessant!).

Die ersten beiden Bedingungen erscheinen mir noch schlüssig. Der Wettbewerb will Neues und Frisches küren, das ist toll. Und die Forderung nach zwei Formaten - also E-Book und Print - macht für mich ebenfalls Sinn, schließlich hat jede*r seine Präferenzen und Vorlieben, was das Medium anbelangt. Außerdem publizieren meiner Meinung nach ohnehin viele Selfpublisher auf beiden Wegen (so auch ich), also wäre das kein Beinbruch. Ich hätte zwar im Rahmen des Wettbewerbs von meinem bevorzugten Anbieter BoD zu KDP wechseln müssen, aber okay.

Dann jedoch wurde es interessant.

Die Auslosung der Finalisten geschieht auf Grundlage der Verkaufszahlen und der Beliebtheit? Oder anders gesagt: Je mehr Amazon bereits im Vorfeld mit dem Buch verdient, je mehr Sternchen es (von woher auch immer) bekommt, desto eher ist es auf dem Siegerträppchen? Das sind die Hauptkritierien der Auswahl?

Das hat mit einem Literaturpreis herzlich wenig zu tun, das ist vielmehr ein Verkaufs-, oder von mir aus auch ein Bestseller-Ranking. Ein Literaturpreis kürt qualitativ hochwertige und besonders wertvolle, hervorhebenswerte literarische Werke. Das KANN, es MUSS aber nicht zwangsläufig gute Verkaufszahlen im Vorfeld bedeuten. Im Gegenteil, oftmals führt erst ein solcher Preis zu erhöhten Verkäufen. Literaturpreise bieten Autoren und Autorinnen die Möglichkeit, aus dem "Dunkel" der unentdeckten Masse in das Licht der Öffentlichkeit zu treten.

Was Amazon hier macht, ist also Marketing in Reinform. Sie binden einen Autor oder eine Autorin fest an sich, sowohl mit dem E-Book, als auch mit der Printversion. Sie lassen selbige Autoren und Autorinnen die ganze PR-Arbeit machen, um die Verkaufs- und Rezensionszahlen entsprechend in die Höhe zu treiben und damit überhaupt eine Chance auf den Gewinn zu haben. Gleichzeitig verdient Amazon bereits vorab kräftig an allen eingereichten Werken - und das ohne einen Finger zu krümmen. Und am Ende wird das erfolgreichste (will heißen: das bestverkaufteste) Buch gekürt und damit zusätzlich "ge-pushed".

Nicht falsch verstehen: Ich mache Amazon keinen Vorwurf, es ist weder moralisch noch ethisch verwerflich, so zu handeln. Amazon ist keine Literaturförderungsanstalt (professionelle Verlage übrigens auch nicht, das nur so nebenbei), Amazon ist ein Handelsunternehmen. Sie verkaufen Sachen. Ergo ist es auch verständlich und teilweise sogar sehr clever, einen solchen "Preis" auszuloben. Doch mit einem LITERATUR-Preis hat das herzlich wenig zu tun.

Und hier steckt für mich (persönlich) das Problem: Literatur sollte nicht nur rein kommerzielle Zwecke verfolgen! Natürlich ist das auch wichtig, und jeder von uns Autoren und Autorinnen wünscht sich gute Verkaufszahlen. Jeder von uns träumt (wenn auch nicht immer offen zugegeben) von dem Sticker "Bestseller" auf dem Cover des eigenen Werkes, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Aber trotzdem ist Literatur noch mehr. Oder sollte es zumindest sein. Denn Literatur ist Kunst! Und als solche soll sie die Fantasie der Menschen beflügeln, sie soll zum Nachdenken anregen, Grenzen überschreiten, Kontroversen auslösen, Gespräche ermöglichen, wehtun, den Finger in Wunden legen oder einen Blick in eine bessere Zukunft wagen. Literatur ist mehr als Geld, auch wenn Geld eine wichtige Rolle spielt.

Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, am Kindle Storyteller-Award nicht teilzunehmen.

Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.

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