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Die Umsonst-Kultur und ihre Auswirkung auf den Literaturmarkt

Erster Vorhang. Eine lustige Runde von Menschen. Es wird geplaudert, gelacht und gescherzt, man hat eine gute Zeit miteinander und erkundigt sich über die neuesten Neuigkeiten im Leben der jeweils anderen. Eine Person dreht sich zu mir – ein guter Freund, eine enge Bekannte, jemand aus meinem persönlichen Umfeld. Er oder sie klopft mir anerkennend auf die Schulter und meint:

 

»Sag mal, du hast doch ein Buch veröffentlicht. Stimmt das?«

 

»Ja«, antworte ich. »Das ist korrekt.«

 

»Donnerwetter, nicht schlecht. Großen Respekt dafür.«

 

Ich bedanke mich artig und freue mich über das Lob.

 

Dann kommt die entscheidende Frage: »Kann ich ein signiertes Exemplar von dir haben?«

 

»Na klar«, erwidere ich. »Bring das Buch einfach mal mit und ich signiere es dir.«

 

Die Person sieht mich überrascht an, beinahe schon irritiert.

 

»Mitbringen?«, fragt sie. »Ich dachte, du schenkst mir eins.«

 

Der Vorhang fällt.

 

* * *

 

Zweiter Vorhang. Die Bewerbungsphase für eine Leserunde bei Lovelybooks beginnt. Ich betrachte den Werbetext, den ich verfasst habe, finde ihn gut, schmissig, lustig, spannend. Also ab damit! Ich klicke auf ›Leserunde starten‹. Wenige Sekunden später ist es getan, mein neues Buch wird auf der Plattform beworben, lockt potenzielle Interessenten an, ermuntert zum Mitmachen. Zehn Freiexemplare warten auf ihre Gewinner*Innen.

 

Das zeigt Wirkung. Nach nur wenigen Stunden sind schon die ersten Bewerbungen da. Sie reichen von ausführlichen, mit viel Freude und Enthusiasmus geschriebenen Begründungen, warum man gerne mitmachen würde, bis hin zu knappen Statements, in denen es lapidar heißt: »Ich möchte ein Printbuch haben, danke.«

 

Die Tage vergehen. Die Anzahl der Bewerber*Innen steigt. Und irgendwann ist es soweit, wie beim Roulette heißt es: Rien ne va plus, nichts geht mehr. Die Bewerbungsphase ist vorbei. Die Interessenten landen in einem Lostopf, werden per Zufall gezogen und über ihren Gewinn informiert. Einige bedanken sich auf der Plattform, betonen, dass sie sich auf das Buch und die Leserunde freuen, andere bleiben stumm.

Ich verpacke die Bücher, lege kleine, selbst erstellte ›Goodies‹ bei und verschicke das ganze per Post. Möglichst schnell, möglichst zeitnah, denn Kunden lässt man nicht warten. Das eherne Prinzip.

 

Ab hier wird es auffällig still.

 

Ein Teil der Bewerber*Innen – meist diejenigen, die sich zuvor schon bedankt haben – nimmt freudig an der Leserunde teil, schreibt Beiträge, gibt Feedback. Ein anderer Teil bleibt lange im Verborgenen, um nach dem Abschluss des Buches eine Rezension zu schreiben. Auch okay. Vom dritten Teil jedoch höre ich nichts mehr. Gar nichts mehr! Feedback? Fehlanzeige! Irgendeine Reaktion – selbst auf private Nachrichten und Monate später? Nö!

 

Der Vorhang fällt.

 

* * *

 

Dritter Vorhang. Eine Schnäppchenaktion beginnt. Das E-Book meines Romans kostet für einige Tage nur noch einen Bruchteil des – ohnehin schon sehr niedrigen – Preises. Und das ist richtig wenig! Ein Becher Kaffee beim To-go-Stand kostet erheblich mehr.

 

Ich blicke auf die Verkaufszahlen. Die Statistik schießt steil nach oben – ganz wie erwartet. Binnen kürzester Zeit geht das E-Book zu Dutzenden über den virtuellen Ladentisch.

 

Die Tage vergehen, das Ende der Aktion nähert sich, und kaum, dass der Preis wieder auf seinen ursprünglichen Wert geklettert ist, knickt auch die Statistik ein. Auf den steilen Anstieg folgt der steile Einbruch. Die Spar-Party ist vorbei, die reale Welt hat uns wieder.

 

Der Vorhang fällt.

 

* * *

 

Diese drei Geschichten sind echte Erlebnisse, echte Erfahrungen von mir, und ich behaupte: Nahezu jede*r Selfpublisher*In hat etwas in dieser Art erlebt. Unsere Gesellschaft hat sich an Schnäppchen, Rabatte und Umsonst-Artikel gewöhnt. Mehr noch: Viele erwarten das sogar, sehen es als selbstverständlich an. Ich kenne Menschen, die voller Freude davon erzählen, dass sie sich den neuen Smart-TV-Fernseher für 700 €, das Apple-Handy für 1.000 € und das dazu passende Tablet für denselben Betrag geholt haben, ohne mit der Wimper zu zucken, doch wenn es um niederpreisige Artikel geht (wie eben E-Books und Printbücher), dann wird allzu gerne nachgehakt: »Kannst du mir das schenken? Gibt es das auch umsonst? Muss ich den vollen Preis dafür bezahlen?« Wohlgemerkt: Wir sprechen über Beträge zwischen zwei und fünfzehn Euro!

 

Warum ist das so?

 

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Rabatte, Schnäppchen und Preisreduktionen – vor allem, wenn sie mit einem Zeitlimit versehen sind – das Belohnungszentrum unseres Gehirns aktivieren [Quelle: welt.de]. Wir fühlen uns glücklich, weil wir einen vermeintlichen Gewinn machen. Der beste Beweis dafür sind Amazons ›Prime-Day‹ oder der ›Black Friday‹: Bei den beliebten Aktionen sind Artikel aus unterschiedlichen Sortimenten für ein oder zwei Tage im Preis reduziert. Überall springen einen rote Prozentzahlen mit Minuszeichen davor an und vermittelt uns die Botschaft: »Hier kannst du richtig sparen, hier sahnst du richtig ab!«

 

Doch ist das tatsächlich so?

 

Nein.

 

Preisvergleichsportale und Verbraucherzentralen haben in den letzten Jahren unterschiedlichste Untersuchungen durchgeführt und dabei festgestellt: Wo billig draufsteht, muss beileibe nicht billig drin sein. Manche Händler erhöhen vor solchen Rabattaktionen kontinuierlich ihre Preise, nur um sie dann während des betreffenden Zeitraums wieder zu senken und diese Differenz als Schnäppchen zu verkaufen. Andere nehmen die UVP (Unverbindliche Preisempfehlung) des Herstellers und berechnen den Rabatt auf dieser Grundlage. Nicht selten liegt die UVP ohnehin über dem regulären, nicht reduzierten Preis des Verkäufers, der ›Schnapp‹ ist also in Wirklichkeit gar keiner, sondern die ganz normale Differenz zwischen den beiden Preisen [Quelle: derwesten.de].

 

Und trotzdem funktioniert das Spiel.

 

Kaum, dass der Prime-Day startet, kaum, dass ein Elektronikhändler mit Rabatten wirbt, kaum, dass irgendwo ein Prozentzeichen hängt, schlagen die Käuferherzen höher und die Geldbeutel sitzen locker. Man kauft Unmengen an Sachen, die man, wenn man es in Ruhe durchdenkt, überhaupt nicht braucht. Und selbst wenn doch: Nur wenige vergleichen die (angeblich günstigeren) Preise, lassen sich Zeit, überlegen. Das gute Gefühl überwiegt, der Impulskauf wird zum Normalzustand [Quelle: welt.de].

 

Streng genommen ist das nicht schlimm. Jeder kann und darf mit seinem/ihrem Geld machen, was er/sie will. Dafür ist es ja da. Auch ich habe mir schon Dinge gekauft, nicht weil ich sie dringend (im Sinne von: lebensnotwendig) gebraucht hätte, sondern weil ich einfach Lust darauf hatte. Auch ich habe mir schon einen ›Rabatt‹ gegönnt oder bei Schnäppchenaktionen mitgemacht. Und ja: Das Gefühl war gut.

 

Doch diese Schnäppchenschlachten haben einen gravierenden Nachteil, sie prägen das Denken und Fühlen der Menschen. Und zwar nachhaltig. Die einleitenden drei Geschichten zeigen es sehr schön: Das ›Abgreifen‹ von Rabatten oder Umsonst-Artikeln wird nicht als Ausnahme, sondern als Regel angesehen. Das Buch, in welches Wochen, Monate oder sogar Jahre harter Arbeit geflossen sind, wird nicht als solches wahrgenommen, sondern als ein Gegenstand, an den man möglichst günstig, optimalerweise sogar umsonst, herankommen möchte. Der Originalpreis – gerade bei Selfpublishern sehr knapp kalkuliert und nur eine mikroskopisch kleine Entlohnung für die zahllosen Stunden an Arbeit – wird nicht als gerechtfertigt angesehen, sondern als unverbindliche Richtlinie, an die man sich zwar halten kann, aber beileibe nicht muss.

 

Für den Literaturmarkt hat das verheerende Folgen. Ein Buch ist eben nicht so ›sexy‹ wie ein neues Smartphone oder ein Fernseher, es wird eher als Konsumprodukt angesehen, ähnlich einem Stück Obst oder einem Getränk. Es gibt eine ganz wunderbare Folge der Serie ›Big Bang Theory‹, in der sich Raj, einer der Hauptfiguren, ein neues Handy gekauft hat und er Howard, seinem besten Freund, erlaubt, mit ihm gemeinsam die Schutzfolie abzuziehen. Beide packen ein Ende davon und geraten in helle, fast erregte Verzückung. Obwohl diese Szene überspitzt dargestellt ist (immerhin ist es eine Comedyserie), nährt sich ein Großteil ihres Humors aus der Tatsache, dass die Realität gar nicht so weit davon entfernt ist. Eine neue technische Spielerei auszupacken macht auch mir riesigen Spaß. Im Gegensatz dazu habe ich bisher noch niemanden erlebt, der ein Buch auf eine ähnlich verzückte Weise aus der schützenden Folie geschält hätte – wobei es diese Menschen definitiv gibt.

 

Bei der Musikindustrie ist es ähnlich gelagert, weshalb sie sich schon seit Jahren mit Streaming- und Sharingdiensten wie Spotify oder YouTube herumschlägt und schwer tut. Wie auch Literatur, wird Musik heutzutage eher als Konsumprodukt angesehen, nicht so sehr als künstlerische Arbeit. War es früher normal, eine neue Vinylplatte oder Audiokassette staunend und ehrfürchtig zu hegen und zu pflegen, ist Musik spätestens seit der CD und den schon erwähnten Onlinediensten zu einer Massenware geworden. Sowohl das Buch als auch das Musikstück verlieren dadurch ihre Seele, ihren Wert in der Gesellschaft. Und damit perspektivisch auch ihre Bedeutung. 

 

Dabei ist es keineswegs so, dass Menschen kein Interesse mehr an Literatur hätten. Die Umsatzzahlen sind zwar in den letzten Jahren zurückgegangen und die Anzahl an Leserinnen und Lesern ebenso (mehr dazu hier), doch das Buch ist dadurch nicht obsolet geworden. Ich vermute, dass es dazu auch nie kommen wird. Doch der Schnäppchen-, Gratis- und Prozentkampf heizt die ohnehin schon schwierigen Bedingungen auf dem Markt zusätzlich an, und zwar erheblich. Hinzu kommt, dass Bücher dadurch zunehmend ihre Seele und ihren Wert einbüßen. Ich kann es nicht wissenschaftlich untermauern, aber ich bin mir sicher, dass die Rabattschlachten der letzten Jahre mit zu der Verschwendungsgesellschaft beigetragen haben, in der wir leben, und viele wertvolle und wichtige Produkte unseres Alltags zu Wegwerfartikeln gemacht haben.

 

Was wird am Ende dabei herauskommen?

 

Schlimmstenfalls eine Gesellschaft, in der Literatur – oder Kunst im Allgemeinen – nur noch wie ein schneller Kaffee konsumiert wird: Billig kaufen, schnell trinken, wegwerfen. Literatur würde zu Fast Food werden, ein seelen- und inhaltsloses Etwas ohne echten ›Nährwert‹. Wollen wir das wirklich?

 

Ich persönlich nicht.

 

Denkt einfach mal daran, wenn Ihr wieder in eine Bücherei geht oder in einem Onlineshop Eures Vertrauens stöbert und Euch überlegt, ob das Buch, welches Euer Interesse geweckt hat, tatsächlich die paar Euro wert ist, die es kostet ;-).

 

Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.

Kommentare: 2
  • #2

    Uschi Kruse (Montag, 29 Juli 2019 20:51)

    Ich war noch nicht fertig. Es gab keine Warnung, als ich die Höchstmenge der Schriftzeichen überschritten hatte.

    Also im Grunde kann ich alles bestätigen, was du sagst. Psychologen würden jetzt wieder sagen, das hat mit der Vergangenheit zu tun, als die Jäger und Sammler sich bevorraten mussten und sich keine Gelegenheit entgehen lassen durften.
    Ich finde es auch schön, dass es die Bücher umsonst gibt, aber das verleitet wirklich nur dazu, sich auf alles bewerben. Du hast das ja haargenau richtig beschrieben, angefangen von den Bewerbungen bis hin zur Nichtteilnahme an den Leserunden. Ich finde es sehr gut, dass man jetzt oft liest, dass Bewerber, die sich nicht an den Leserunden beteiligen und keine Rezension schreiben, künftig bei den Bewerbungen nicht mehr berücksichtigt werden.
    Als ich vor ein paar Wochen plötzlich 8 Bücher, davon auch ein paar ebooks, hier liegen hatte, kam ich echt in Panik. Ich habe praktisch Tag und Nacht gelesen. Trotzdem gucke ich jeden Morgen, ob es was neues Interessantes gibt und es gibt fast jeden Tag etwas. Ich reiße mich dann sehr zusammen. Ist es eine Gier, die jedem Menschen angeboren ist?
    Elektronik interessiert mich zum Glück gar nicht. Der Computer, an dem ich gerade sitze, habe ich mir selbst gekauft, alles andere, ob Handy, Smartphone, Fernseher, sind abgelegte Teile meiner Kinder, die sich neue Sachen gekauft haben. Man verliert durch das Desinteresse natürlich auch die Weiterbildung. Es ist kein Spaß, wenn ich sage, dass ich nicht weiß, wie man das Viereck aktiviert. Meine Tochter kommt mich am Wochenende besuchen und ich hoffe, dass die Millionärin schon da ist, dass sie es mir zeigen kann. Wenn nicht, frage ich dich :).
    Wenn also alle Autoren reinschreiben würden, dass auf die Teilnahme an der Leserunde bestanden wird und dass ansonsten eine weitere Teilnahme nicht mehr möglich ist, würde sich mit Sicherheit etwas ändern.
    Über einen Bewerber konnte ich nur den Kopf schütteln. Vorweg: ich habe, als ich in Rente ging, mein Haus ausgemistet und vieles bei Ebay verkauft. Manchmal ist die Ware nicht angekommen oder war angeblich kaputt. Dann kam immer die Frage "was machen wir jetzt?". Also dieser Bewerber hat wohl vergessen, anzugeben, dass er keinen Reader hat und deswegen nur ein Print haben möchte. Nun hat er aber ein Ebook bekommen, weil es ja auch mehr Printbewerber gibt. Er schrieb dann, dass er das Ebook nicht verwenden kann und ein Print braucht. Kurz und knapp. Verlag schreibt, geht nicht, weil...Ob er nicht eine PDF Datei, falls es so heißt, haben möchte. Kurz die Antwort "nein, danke". Fand ich unverschämt, am liebsten hätte er wohl das Print rechtlich einklagen wollen. So wirkte es.
    Ich glaube, so ist die Menschheit heute. Genau wie jeder meint, auf alles einen Anspruch zu haben. Das ist nun wieder ein anderes Thema.

    Bleib wacker

    Uschi

  • #1

    Uschi Kruse (Montag, 29 Juli 2019 20:46)

    Hallo lieber Marco,
    was wäre, wenn ich jetzt schreibe "ich sehe es genauso wie du. Punkt"? Genauso wie man es bei Leserunden liest: "Schreibstil ist flüssig, bin gut reingekommen, Personen gefallen mir, hat mir gut gefallen". Ist nichtssagend, ne? Kann ein Autor nicht viel mit anfangen, oder? Ich könnte jetzt wieder stundenlang etwas dazu schreiben. Als ich das erste Mal an einer Leserunde teilnahm, wusste ich gar nicht, was man von mir will. Ich las mir die anderen Kommentare durch, die oft so waren, wie eben beschrieben. Ein paarmal habe ich das auch so gemacht, bis ich dahinter kam, was Leserunden überhaupt bedeuten. Meine Tochter hatte mich da angemeldet, weil sie meinte, ich würde mich in meinem Ruhestand langweilen. Dass ich manchmal denke, ich gerate gerade in einen burn out, weil ich mir zuviel vorgenommen habe, hätte ich auch nicht gedacht. Okay, am Thema vorbei. Also ich bewerbe mich auch häufig auf neue Bücher, weil sie sich so interessant anhören und ich unbedingt mehr darüber wissen will. Manchmal gewinne ich lange Zeit nichts, dann wieder mehrere in kurzer Zeit und komme mit den Leserunden ins Trudeln. Nicht in Verzug, dafür strenge ich mich zu sehr an. Ich habe mich ja verpflichtet, rechtzeitig daran teilzunehmen, als ich mich bewarb. Aber ich setze mich selber unter Druck. Was wäre, wenn man z.B. für jedes gewonnene Buch 5,00 Euro bezahlen müsste? Sicher würden sich dann nicht mehr so viele Leute bewerben. Warum tun sie es? Ich habe jetzt schon viele Bücher, die ich gelesen habe und weiß nicht mehr, wohin damit (Jürgen gebe ich nie weg). Ich verschenke sie, biete sie bei lovely books Leuten an, die meisten antworten nicht, obwohl sie sich darum ohne Erfolg beworben hatten. Andere sagen, sie hätten sie schon von anderen erhalten. Aber warum machen wir das ? Meine Mutter schleppte mich früher immer mit zum Schlussverkauf und war stolz, wenn sie ein Stück ergatterte, auf dem der Preis rot durchgestrichen und durch einen billigeren Betrag ersetzt war. Irgendwann sickerte mal durch, dass manche Läden billige Ware extra für den Schlussverkauf anfertigen ließen. Das konnte man vielleicht dadurch umgehen, dass man nur in Boutiquen einkaufte.
    Ich gehöre noch zur 70er Jugend (Hippies). Uns war Kleidung egal, man nannte sie (uns) auch Gammler. Davon hab ich immer noch etwas (also nicht, dass ich gammlig aussehe), aber ich kaufe wirklich nur, was ich brauche, ebenso Lebensmittel. Montags und donnerstags ist hier auf der Straße die Hölle los, wenn ich beim Frühstück sitze. Ein Autokorso fährt durch die Straße und ist zwei Stunden später wieder da. Ich brauchte eine Weile, um zu erfahren, wohin sie alle fahren. Und wie stolz mir die Nachbarn dann berichten, was sie alles abgekriegt haben.
    Also im Grunde kann ich alles bestätigen, was du sagst. Psychologen würden jetzt wieder sagen, das hat mit der Vergangenheit zu tun, als die Jäger und Sammler sich bevorraten mussten und sich keine Gelegenheit entgehen lassen durften.
    Ich finde es auch schön, dass es die Bücher umsonst gibt, aber das verleitet wirklich nur dazu, sich auf alles bewerben. Du hast das ja haargenau richtig beschrieben, angefangen von den Bewerbungen bis hin zur Nichtteilnahme an den Leserunden. Ich finde es sehr gut, dass man jetzt oft liest, dass Bewerber, die sich nicht an den Leserunden beteiligen und keine Rezension schreiben, künftig bei den Bewerbungen nicht mehr berücksichtigt werden.
    Als ich vor ein paar Wochen plötzlich 8 Bücher, davon auch ein paar ebooks, hier liegen hatte, kam ich echt in Panik. Ich habe praktisch Tag und Nacht gelesen. Trotzdem gucke ich jeden Morgen, ob es was neues Interessantes gibt und es gibt fast jeden Tag etwas. Ich reiße mich dann sehr zusammen. Ist es eine Gier, die jedem Menschen angeboren ist?
    Elektronik interessiert mich zum Glück gar nicht. Der Computer, an dem ich gerade sitze, habe ich mir selbst gekauft, alles andere, ob Handy, Smartphone, Fernseher, sind abgelegte Teile meiner Kinder, die sich neue Sachen gekauft haben. Man verliert durch das Desinteresse natürlich auch die Weiterbildung. Es ist kein Spaß, wenn ich sage, dass ich nicht weiß, wie man das Viereck aktiviert. Meine Tochter kommt mich am Wochenende besuchen und ich hoffe, dass die Millionärin schon da ist, dass sie es mir zeigen kann. Wenn nicht, frage ich dich :)